Michaela Suchomel
* 4. Dezember 1957 † 23. Juni 2020

„Leben ist Liebe und Freude…“
„…und wer´s nicht glaubt, sollte es ausprobieren!“ (Michaela)

Eine Liebesgeschichte


Anfang der achtziger Jahre tauchte Michaela, die große Liebe meines Lebens, plötzlich und mit großem Schwung in meinem Leben auf. Liebe auf den ersten Blick. Für mich. Für sie war es anders. Sie brauchte ein paar Wochen, sich auf meine Liebe einzulassen und ihre Liebe zuzulassen.

Berlin 1982.
Es war die Zeit der vielen Hausbesetzungen und krassen Straßenkämpfe, eine Zeit des Aufbruchs, der grenzenlosen Möglichkeiten und der unerschöpflichen Kreativität. Michaela liebte Tanz und Theater. Ich die Malerei, mit der ich bald auch Michaela ansteckte. Michaela studierte Tanz an der „Etage“ in Berlin, fast vierzig Jahre später absolvierte unsere jüngste Tochter ihre Tanzausbildung am selben Institut.
Ich war Inhaber des Theater-Cafés Klatschmohn in Moabit. Tagsüber Kindertheater, nachts Kabarett, Travestishow und alles, was anders war oder das Establishment provozierte. Eine bunte wilde Mischung, die uns Outsider lebendig machte.

Eines Tages überquerte eine junge, gutaussehende Frau in der Hauptverkehrszeit die Paulstraße und steuerte direkt auf mein Café zu. Die Autos links und rechts interessierten sie nicht, sie bahnte sich selbstbewusst den Weg. Schwungvoll öffnete sie die Tür zum Café, strahlte übers ganze Gesicht, erblickte mich hinter der Theke und fragte ohne Umschweife: „Hast du einen Job für mich?“ Ich war so fasziniert von ihrem frischen, strahlenden Wesen, dass ich spontan „Ja“ sagte – obwohl das Café durch die Dauerstraßenkämpfe in Kreuzberg und die ausbleibenden Kunden finanziell am Ende war. Ich schaffte es mit Mühe, das eigene Personal zu beschäftigen, hatte kaum Kundinnen und Kunden und noch weniger Geld. Doch Liebe auf den ersten Blick macht alles möglich. Von wegen, „wo die Liebe hinfällt, wächst kein Gras mehr“!

Michaela ist der geschniegelte Herr mit Krawatte hier rechts

Fast vierzig Jahre waren wir als Liebespaar zusammen, bereisten einen kleinen Teil der großen Welt und versuchten, uns gegenseitig unterstützend, den Tod unserer Geschwister zu verarbeiten. Beide, Michaelas Schwester und mein Bruder, hatten sich 1984 das Leben genommen. Wir flüchteten aus Deutschland, aus unseren Familien mit ihren drastischen Verwicklungen und wollten unsere Sehnsucht nach einem sonnigen, liebevollen Ort auf La Gomera stillen. Doch das Paradies war schon besetzt. Wir zogen weiter nach Griechenland, fanden erneut keinen Platz im Paradies. Unsere Reise führte uns über Italien nach Spanien, bis wir uns schließlich in Portugal niederließen. Endlich hatten wir unseren Platz gefunden. Sitio do Nazaré am wilden Nordstrand, heute als Surferparadies bekannt, ein Ort mit unglaublich hohen Wellen, Monsterwellen. Ein berauschender Platz. Wild und ursprünglich. Reinigend. Direkt am Praia do Norte mieteten wir ein zehn Hektar großes Grundstück mit drei Häusern. Ein Malerparadies.

Wir blieben zwei Jahre. Bis uns der Horror unserer Familien einholte. Notgedrungen kehrten wir nach Deutschland zurück, nach Berlin. Dort hielten wir uns mit Malerei über Wasser und mit Restlebensmitteln aus Supermärkten. Es war eine krasse, schöpferische Zeit, in der auch Viviane, unsere erste Tochter, 1987 das Licht der Welt erblickte. Happy, happy, happy! Wir genossen die ersten Wochen der Kleinstfamilie im zweiten Hinterhof eines heruntergekommenen Hauses in Charlottenburg. Das Kindergeld war unsere materielle Lebensbasis. Dann wanderten wir erneut aus, erneut nach Sitio do Nazaré, und verbrachten später eine gute Zeit in den Bergen von Coimbra in einem wunderschönen alten Bauernhaus.

Doch auch diesmal fanden wir das Glück nicht und reisten eineinhalb Jahre später zurück nach Deutschland mit zwei Koffern, einem Kind, 500,-  Mark und einem mit Bildern vollgestopften Auto. Wir fanden Ruhe in einem kleinen Örtchen, in Morschen-Eubach im Raum Kassel, auf einem Bauernhof. Hier ordneten wir unser Leben neu.
Es wollten zwei weitere Kinder in unsere Familie, wir stimmten zu.
Die Familie, die Malerei, der Tanz und das Theater blieben unser Spirit und hielten uns wach…

Michaelas beruflicher Werdegang

Nach dem Studium der Pädagogik mit Theater und Tanz widmete sich Michaela gut zehn Jahre der Erziehung unserer drei Töchter mit Hingabe. Parallel dazu bildete sie sich aus in Kinesiologie, Homöopathie, Energie-Feld-Therapie (EFT), Systemischem Familienstellen, Dramatherapie und vielen mehr. Michaela war wissenshungrig. Mitunter las sie jede Woche mehrere Bücher, Fachliteratur und Romane. 2001 absolvierte sie die Heilpraktikerprüfung

und arbeitete nun in eigener Praxis mit dem Schwerpunkt „Persönlichkeit und Gesundheit“, vorwiegend mit der Methode der Systemischen Aufstellungsarbeit. Als Stellerin war sie einmalig und sehr begehrt.Ihr Anliegen war es, Menschen in der Entwicklung ihrer Potenziale zu begleiten. Ihre größte Freude war es, wenn Menschen die eigene Schönheit und Größe erleben und annehmen konnten, zum Wohle ihrer selbst und der Menschen in ihrem Umfeld.

Michaelas künstlerischer Werdegang

Eine Reihe von gemeinsamen Ausstellungen hielt uns frisch, Ausstellungen in den Tourismuszentren von Nazaré und Alcobaca, in der Münchener Galerie Neuhausen, später zusammen mit der Künstlergruppe OGE im Raum Morschen (Kloster Haydau), im Werra-Meißner-Kreis (Hochzeitshaus Eschwege) und im Kasseler Raum (Schloss Wilhelmshöhe, Kurfürstengalerie). Die Hälfte der Erlöse flossen in unseren Verein für Kinder in Not „World in Motion e. V.“. In Zusammenarbeit mit Terre des Hommes finanzierten wir 320 Kindern im indischen Bundesstaat Bihar die Schulausbildung. Es waren Kinder der „Unberührbaren“, die normalerweise keine Chance hatten, ihre Kaste zu verlassen. Damals war Tanzen für Michaela das Größte. Zusammen mit Stefanie Braun gründete sie die Stepptanzgruppe Pickup.

Die beiden liebten es, gemeinsam kreierte Stücke vor Publikum, unter anderem auf Ausstellungen, zu präsentieren. Tanz und Schauspiel verband Michaela im Tanztheaterstück „Orpheus und Eurydike“, das in einer Tropfsteinhöhle im Raum Kassel uraufgeführt wurde (Inszenierung Sandrino Sandinista Sander). Michaela verkörperte die Eurydike. Erst in den letzten zehn Jahren ihres Lebens von 2010 bis 2020 widmete sich Michaela dem Maskenbau und der rituellen Arbeit mit Masken, u. a. in Seminaren auf der Insel Thassos.
Zwei Jahre vor ihrem Tod schrieb sie das Theaterstück „Maskenintermezzo“, das in der „Brücke“ in Heide (Schleswig-Holstein) uraufgeführt wurde.

MASKEN BAUEN:

SKULPTURELLES ARBEITEN:

MALEN:

TANZEN:

„Wir in Hessen – Land-Party in Eschwege“
Ausschnitt Stepptanzgruppe „Flying Feet“ 25.11.2001
Michaela Suchomel leitet die Gruppe. Sie ist die zweite von rechts. (Copyright: Hessischer Rundfunk)

THEATER SPIELEN:

Orpheus und Eurydike
Baumannshöhle bei Wennigerode, 1996
Dr. Hosé Reindell, Sandrino Sandinista Sander, Dr. Karin Lina Adam
Tanz: Michaela Suchomel

SCHREIBEN – Michaela als Autorin:

Was bedeuten deine Worte wirklich?
Sind sie heilend?
Wie heißt du und was hat dein Vorname mit deinem Wesen
und deinem Potential zu tun?
In welcher Lebensphase bist du?
Was brauchst du für deine Weiterentwicklung?

Die Trauerkarte zu ihrem Tod, auf der sie ihre Herzensanliegen notierte, schuf Michaela selbst:

…wie geht diese Geschichte weiter?

Wie Michaela und ich dem Künstlerischen sehr zugetan waren und sind, so sind es auch unsere drei lieben Kinder.
Zwei Schauspielerinnen und eine Tänzerin setzen diese Geschichte fort:

Viviane Cassiopeia Anna Suchomel
geboren 1987. Schauspielerin und Coach für
Emotionsmanagement u. echte Kommunikation
www.vca-coaching.de
Catalina Cosima Suchomel
geboren 1990. Schauspielerin, Theaterpädagogin
www.catalinasuchomel.net
contact@catalinasuchomel.net
+49 157 548 817 81
Joanina Linda Menina Suchomel
geboren 1992. Tänzerin.
Instagram: @joanina_suchomel
Facebook: Joanina Suchomel

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